



















Der französische Revolver 1873 ist eine außergewöhnliche Waffe. Er ist deutlich leistungsfähiger als sein amerikanischer Kollege, der Colt SAA 1873, der zwar im selben Jahr wie er auf den Markt kam und als unbestrittener Star des Westerns gilt, von Hollywood ad nauseam popularisiert wurde und … neben unserem 1873er dennoch wie ein waffentechnisches Relikt wirkt.
Schon unser Modell ist ein Double-Action- und Single-Action-Revolver, während sein US-amerikanischer Kollege nur Single Action bietet. Er lässt sich leicht zerlegen, ist perfekt verarbeitet und äußerst robust. Das sind überwältigende Vorteile gegenüber dem Colt SAA von 1873. Nur seine Munition hätte besser sein können. An der Waffe selbst liegt es aber keineswegs. Für ihre Zeit ist sie in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Eine Meisterleistung französischer Waffenschmiedekunst.
Ihr einziger Makel war die ballistisch schwache Patrone (die 12-mm-Patrone, die die Marine für dasselbe Modell wählte, ist deutlich besser). Sie hätte sich leicht ersetzen lassen, wäre die Artilleriekommission nicht so engstirnig und starrsinnig gewesen.
Doch vor allem wurde unser 1873er nicht von einer allmächtigen Filmindustrie weltweit bekannt gemacht …
Beachte, dass ich wie bei seinem Nachfolger von 1892 noch nie einen Bericht oder Memoiren gelesen habe, in denen sich jemand im Einsatz über die geringe Leistung seiner Patrone beschwert.
Die Schießstand-Verfechter der Durchschlagskraft, die schon für die übertriebene Leistung heutiger Handelsmunition verantwortlich sind – besonders bei Kurzwaffen –, vergessen einfach, dass ein Revolver oder eine Kampfpistole dazu da ist, einen etwas aufgebrachten „Kerl“ auf 1 bis 5 Meter zu bekämpfen. An guten Tagen vielleicht auf 7 Meter, und dann ist man bereits ein Schütze vom Typ GIGN. Oder um das Pferd des besagten Aufgebrachten davon zu überzeugen, sich sofort hinzulegen.
Das hat überhaupt nichts damit zu tun, mit einer schönen Tanfo auf 25 Meter schwarze Scheiben zu durchlöchern, die man nachts im Regen auf dem Parkplatz nicht wiederfindet, weil sie mit leuchtend orangefarbenen Griffschalen geliefert wurde …
Der riesige Klumpen aus weichem Blei, der sich beim Aufprall mechanisch zerlegt wie eine Dum-Dum-Kugel, hat selbst bei nur 200 m/s auf diese Entfernungen zweifellos nicht viele unserer Feinde unter allen Breitengraden lange weiterzappeln lassen.
Sonst hätten wir sicher in den zahllosen Memoiren jener Zeit davon gelesen. Und von den bakteriologischen Folgen des Einfettens mit tierischem Fett in ohnehin schon schrecklichen Wunden bei den möglichen Überlebenden des ersten Angriffs will ich gar nicht erst anfangen …
Kurz gesagt: Der 1873er ist in Wirklichkeit eine furchterregende Waffe, die perfekt für ihren historischen Einsatzzweck geeignet ist.
Als Schwarzpulverwaffe ist ihre Stabilität dennoch legendär.
Während des Zweiten Weltkriegs war sie die einzige großkalibrige Kurzwaffe, die in sehr vielen Haushalten in großer Zahl verfügbar war. Widerstandskämpfer haben ihre Trommelkammern sogar leicht aufgerieben, damit sie für ihre Attentate … 45ACP mit rauchlosem Pulver verschießen konnten!
Das ist purer Wahnsinn und darf niemals nachgemacht werden. Doch meistens hat unser 73er diesem extremen Druckstoß tatsächlich standgehalten. Eine größere Serie von Schüssen hätte er vielleicht nicht überstanden, aber das zeigt trotzdem seine erstaunliche Robustheit.
Und außerdem ist es ein Revolver, der die Welt erobert hat.
Er siegte vom Senegal bis nach Tonkin. Er reiste von den Strafkolonien Guyanas bis an die Grenzen des Roten Meeres. Eine Legendenwaffe des französischen Kolonialreichs. Er war lange im Einsatz, wurde 14–18 in den Holstern zahlreicher Reservisten wieder hervorgeholt und war bis in die 1960er-Jahre hinein sogar in Gefängnissen zu finden.
Als Arsenalwaffe ist er dennoch handwerklich auf höchstem Niveau verarbeitet. Eine hervorragende Arsenalproduktion aus den besten geschmiedeten Stählen. Erst sein Nachfolger, der 1892er, sollte diese Qualität wieder erreichen. Auch technisch eine Legendenwaffe.
Das ist zweifellos der Grund, warum der 1873er bei Sammlern bis heute so begehrt ist.
Unser Exemplar ist ein klassischer Ordonnanzrevolver, Modell MAS 1873, mit der Jahreszahl 1878 auf dem Lauf, im Ordonnanzkaliber 11 mm 1873 und mit einer Kapazität von 6 Schuss in Single und Double Action. Er wurde wie alle seine Brüder und Cousins für Offiziere in der Manufacture de St Étienne gefertigt.
1874. Kleine Seemänner inklusive.
Es ist nicht das schönste im Viertel (das bin ich!), aber sehr ansehnlich.
Die Waffe ist oberflächlich oxidiert und könnte noch eine Reinigung vertragen. Die Beschriftungen und Markierungen sind aber überall noch gut lesbar – das ist bei den meisten Exemplaren, die ich zu sehen bekomme, längst nicht der Fall. Außerdem ist sogar noch etwas von der ursprünglichen strohgelben Brünierung erhalten, auch auf den Innenteilen.
Zudem ist sie vollständig nummerngleich, sogar bis zu den Griffschalen – was natürlich nicht schadet.
Gute Mechanik. Gutes Klicken – alle Federn straff – gute Rastung – kein Spiel im abgeschlagenen Zustand. Alle Schrauben sind in sehr gutem Zustand, lassen sich gut lösen und sind nummerngleich. Die Griffschalen ebenfalls (keine Risse oder Brüche).
Vollständiger und funktionsfähiger Mechanismus mit allen originalen Innenteilen, ebenfalls nummerngleich. Kein übermäßiges gebrauchstypisches Trommelspiel. Lässt sich leicht und reibungslos zerlegen.
Der Lauf ist trotz einiger Flecken wirklich spiegelblank und hat noch sehr schöne, tiefe Züge. Ein sehr guter Lauf. Bei den 1873ern sieht man das selten in so gutem Zustand – selbst bei Exemplaren mit besserem äußeren Zustand!
Auch die Trommel ist in sehr gutem Zustand und die Kammern sind für eine inzwischen über 147 Jahre alte Waffe mehr als sauber …
Mechanisch also eine sehr schöne Waffe.
Sie sollte vollständig und vorsichtig zerlegt und gereinigt werden, denn sie ist noch etwas „schmutzig“ – danach wird sie noch besser sein!
Unterm Strich ein guter Revolver, dessen Erhaltungszustand besser sein könnte. Nur das rechtfertigt den Preis, denn ansonsten ist er ausgezeichnet. Insgesamt würde ich ihn als gut erhalten bezeichnen. Der MAS 1873 ist ein Klassiker in jeder guten Sammlung französischer Ordonnanzwaffen des 19. Jahrhunderts.
Es ist der Revolver aus der Zeit der Entstehung des französischen Kolonialreichs. Vom Tonkin bis zum Sudan trug er unsere Farben weit hinaus. Er wird sowohl einen anspruchsvollen Sammler mit Geschichtsbegeisterung als auch einen möglichen Sportschützen mit Interesse an historischen Waffen zufriedenstellen. Ein gutes Stück.
Waffe der Kategorie D e) gemäß CSI: Ein gültiger Personalausweis oder Reisepass ist erforderlich.
**********************************************************************************************************************************************
Noch einmal: Die Waffenkammer Flingus Maximus in Paris und überall in Frankreich ist auch für den Ankauf von Waffen- und Militaria-Sammlungen, Waffenschätzungen sowie Fragen zur Gesetzgebung oder zu Waffen aus Nachlässen und Erbschaften da. Kontaktiere deinen Lieblingsbüchsenmacher über unser Kontaktformular oder unter [email protected]
Hinweis: Alle Sammler-, Jagd- und Sportwaffen sind gebraucht und werden im jeweiligen Zustand ohne Garantie verkauft.
Alle historischen Waffen älterer Fertigung, die als Kategorie C oder D, „Sammlung“ oder „Cowboy Shooting“ verkauft werden, sind Sammlerwaffen, die nicht für den Schuss geprüft und nicht auf dem Schießstand getestet wurden. Sie wurden im Hinblick auf ihren allgemeinen und mechanischen Zustand einer Sichtprüfung unterzogen, aber keine davon wurde zum Schießen verwendet. Sie werden daher als ungetestet verkauft. Wer eine Waffe zum Schießen verwenden möchte, muss sich unbedingt vorher an den Nationalen Beschussstand von Saint-Étienne wenden. Nur diese Stelle ist befugt, Beschusszertifikate für die Verwendung zum Schießen auszustellen.
| ID | 10338641 |
| URL | https://www.gunfinder.de/de-ch/items/10338641 |
| Kategorie | Waffen / Revolver |
| Erwerbsberechtigung | Erforderlich |
| Kaliber | 11mm73 |
| Zustand | Neu |
| Standort | 75002 Paris, Frankreich |
| Verfügbarkeit | lieferbar |
| Versandkosten trägt | Käufer |
